Bergparade "150 Jahre Salzbergbau in Staßfurt"

Für den Bergmannsverein "Glückauf" Bleicherode gehörten die Veranstaltungen zum 100-jährigen Bestehen des Bergwerkes Bleicherode im Jahre 1999 zu den herausgehobenen Ereignissen in der jüngeren Vereinsgeschichte, insbesondere zu nennen ist die Bergparade. Im Jahre 2002 war für uns als Bergmannsverein die Teilnahme an der Bergparade "150 Jahre Salzbergbau in Staßfurt", deren Schirmherr Bundeskanzler Gerhard Schröder war, ein ebenso wichtiger wie bedeutsamer Fakt. Für uns als aktive oder ehemalige Bleicheröder Bergleute war die Staßfurter Bergparade in ihrer ideellen Bedeutung ähnlich zu werten, wie die Parade  von Bleicherode, beziehen wir doch als Bleicheröder Bergmannsverein unsere Identität aus Geschichte des Kalibergbaues, insbesondere natürlich aus der des Kalibergwerkes in Bleicherode. Dementsprechend gehörte am 16. Juni die Fahrt nach Staßfurt und die Teilnahme an der Bergparade, wenn auch nur mit einer kleinen Gruppe von 13 Mitgliedern, für uns im doppelten Sinne zu einer Fahrt zu den Wurzeln des ehemaligen Bleicheröder Kaliwerkes und vormaligen Königlichen Salzwerks Bleicherode.
Zum Einen war es eine Fahrt an die Wiege des Kalibergbaues. Bei der Parade durch die Stadt war zwar nur wenig von der einstigen Größe dieser alten Salzmetropole aufzuspüren, dafür war der  freundliche Beifall ihrer Bewohner um so nachhaltiger. Die wilde Flutung der Grubenbaue auf der SW-Flanke des Staßfurt - Egelner - Sattels hatte zur Folge gehabt, dass im alten Staßfurter Stadtzentrum umfangreiche Gebäudeabbrüche vorgenommen werden mussten. Mit ihnen verschwanden auch die preußisch - fiskalen Schachtanlagen von  der Heydt und von Manteuffel, von denen heute nur noch die Schachtköpfe in Mitten von Grünanlagen zu sehen sind. Es ist übrigens jener historische Platz, wo am 31. Januar 1852 eine honorige Gesellschaft der Namensgebung des "von Manteuffel" - Schachtes für eine  Steinsalzförderung auf dem Cocturhof der Saline zu Staßfurt beiwohnte, unter ihnen die beiden Namenspatrone der Schächte,  der preußische Ministerpräsident von Manteuffel und der Handelsminister von  der Heydt. 
Niemand der damaligen Teilnehmer konnte im Entferntesten daran denken, dass sie einem Akt beiwohnten, der einmal weit über die Bedeutung einer Namensgebung für Steinsalzförderschächte hinausgehen würde.
Wie sich einige Jahre später zeigen sollte, war es die Geburtsstunde des Kalibergbaues, von der aus nun der Name Staßfurt in alle Welt getragen werden sollte.
Bergparade in Staßfurt am 16. Juni 2002

An jenem für die Kaliindustrie so bedeutsamen Ort wurden zum Abschluss der  Bergparade an die Fahnenträger der teilnehmenden Vereine die Fahnenschleifen übergeben.

Die stürmische Aufwärtsentwicklung der jungen Kaliindustrie hatte durch die Weitsicht eines preußischen Bergbeamten auch bald den Südharz erreicht, wo der preußische Staatsbergbau das Königliche Salzwerk bei Bleicherode errichtete. Nur fünf Monate nach Teufbeginn für den Schacht Bleicherode I wurde der Bergmannsverein "Glück Auf" in Bleicherode gegründet.

Zum anderen war Staßfurt, d. h. die Königliche Berginspektion, für das im Werden befindende Bleicheröder Salzwerk der "große Bruder", wie es Bergrat Uthemann anlässlich der Festveranstaltung zur Taufe der "von Velsen - Schächte" nannte. Waren doch in Staßfurt von den dortigen Beamten die ersten Planungen der Bergwerksanlage und der Fabrik vorgenommen worden.

Von Staßfurt kamen die ersten Beamten nach Bleicherode, unter ihnen der Obersteiger Giesemann zum Schachtteufen. 1903 wurde der Bergwerksdirektor Dr. Vogelsang von Staßfurt nach Bleicherode versetzt, um die Nachfolge von Bergrat Uthemann anzutreten. In den folgenden Jahren wurden immer wieder führende Bergbeamte von Staßfurt nach Bleicherode versetzt, das mittlerweile das ältere Unternehmen in seiner wirtschaftlichen Bedeutung längs überholt hatte.

Fahnenschleifenübergabe am Schacht v. d. Heydt

Aber auch in materieller Hinsicht leisteten die preußischen Schachtanlagen aus Staßfurt in den Anfangsjahren wertvolle Aufbauhilfe für das Bleicheröder Werk. So kamen die erste Fördermaschine und die Seilscheiben von der Berginspektion in Staßfurt.

Eingedenk dieser historischen Gegebenheiten war die Teilnahme an der Bergparade "150 Jahre Salzbergbau in Staßfurt" für den Bergmannsverein "Glückauf" Bleicherode eine Referenz an die alte Salzstadt Staßfurt  und gleichzeitig ein Bekenntnis zu unserer Bleicheröder Bergbaugeschichte.

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